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Weniger Hauptwörter, mehr Verben

Substantive können einen Text holprig machen. Wenn schon ein Hauptwort, dann nicht so aufgebläht. Das „Problem“ wird zur Problematik oder zum Problemlösungspotenzial, das „Thema“ wird zur Thematik, das Argument zur Argumentation, das Ziel zur Zielsetzung und die Frage zur Fragestellung.

1. Beispiel:

Aufgrund ihrer umsichtigen und effizienten Arbeitsweise
erbrachte sie stets eine gute Leistung.

Anders ausgedrückt:

Sie arbeitet sorgfältig und effizient und erzielt gute Ergebnisse.
2. Beispiel: (Produktionsleiter)
Auch bei größten Anforderungen erbrachte er konstant
eine exzellente Leistung, ließ sich dabei beispielhaft von
der Maxime der Wirtschaftlichkeit leiten und berücksichtigte
kompetent branchenbezogene Entwicklungen.

Von der Maxime der Wirtschaftlichkeit sollten sich alle Mitarbeiter leiten lassen, vor allem natürlich Führungskräfte. „Branchenbezogene Entwicklungen“ könnte bedeuten: Er ist auf dem neuesten Stand der Dinge. 

Mein Vorschlag:
Er kennt die technische Entwicklung und kommt auch unter schwierigen Bedingungen zu sehr guten Arbeitergebnissen.
Mehr Verben
Doch Vorsicht! Nicht alle Verben passen. Es gibt auch blasse und tote Verben. Hier ein paar Beispiele aus „echten“ Arbeitszeugnissen, wo diese Verben vorkommen:

Zeigen, pflegen, prägen, verfügen, überzeugen, besitzen, schätzen, erlauben.

zeigen:

Der Meister zeigte dem Lehrling, wie er es richtig machen soll, und seine Schwester Helga zeigte dem Verehrer die kalte Schulter. Und was zeigen Herr Schmidt und Frau Kruse, wenn es denn stimmt, was in ihren Arbeitszeugnissen steht? 

           Herr Schmidt zeigte einen korrekten Arbeitsstil. 

Frau Kruse zeigte bei der Aufgabenerledigung stets außergewöhnlichen Einsatz und hervorragende Leistungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht. 

Leistung hat viel mit Menge und Güte zu tun, da muss man dem Schreiber dieser Zeilen zustimmen. Aber das hat es immer, nicht nur im Fall von Frau Kruse.

pflegen:

Herta Lause pflegt morgens recht früh aufzustehen, weil sie ihre alte Mutter pflegt, außerdem pflegt sie ihre Wohnung, ihren Garten, ihr Haar und den Umgang mit Freunden. Vor dem Einschlafen pflegt sie einen Kriminalroman zu lesen. Und was sie im Betrieb pflegt, steht in ihrem Arbeitszeugnis: 

In der innerbetrieblichen Kommunikation pflegte Frau Krause
eine Atmosphäre der Kooperationsbereitschaft,
der Integration
und der Teamorientierung.

prägen:

Schiller und Goethe haben die Literatur der Klassik geprägt; Herkunft und Umwelt prägen den Menschen. Was bei der Arbeit prägend ist, steht im Arbeitszeugnis: 

           - Seine Arbeitsweise ist geprägt von Pflichtbewusstsein.

            - Dynamik, Tatkraft und konsequentes Handeln prägten seinen Arbeitsstil.
verfügen:
Schulzes Sohn Jens kann über sein Taschengeld frei verfügen, seine Frau über das Haushaltsgeld. Schulze selbst verfügt über gute Beziehungen zur Geschäftsleitung, über große Berufserfahrung und ein gutes Einkommen. Seiner Mitarbeiterin, Frau Hansen, hat er im Arbeitszeugnis bescheinigt, dass sie über ein großes Fachwissen, schnelle Auffassungsgabe und ein vorbildliches Pflichtbewusstsein verfüge.
überzeugen:

Er hatte gute Argumente: Was er sagte, überzeugte die Zuhörer. Man kann auch durch Leistung überzeugen. Im Arbeitszeugnis steht dann: 

- Herr Meister überzeugte als dynamische Führungskraft, 
  die stets
eine gute Einsatzbereitschaft zeigte.

           - Frau Krause überzeugte durch ihre hohe Zuverlässigkeit. 

Solche Formulierungen dagegen überzeugen weniger.

besitzen:

„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, 
heißt es im Faust.

Auch in Arbeitszeugnissen ist häufig die Rede davon, was wir besitzen:

- Sie besitzt eine natürliche Autorität.

- Er besitzt Spezialkenntnisse (und verlangt deshalb eine Gehaltserhöhung).
schätzen:

In Unternehmen gibt es schon einiges, was man schätzen kann: Die Höhe des Krans oder das Kantinenessen. Aber es gibt auch noch anderes zu schätzen, was sich zum Beispiel im Arbeitszeugnis niederschlägt:

Wir schätzten insbesondere seinen jederzeit flexiblen Einsatz gemäß der aktuellen Geschäftssituation.

erlauben:
Ihre hohe Auffassungsgabe sowie ihre zuverlässige Arbeitsweise erlauben ihr jederzeit, die notwenige Priorität zu setzen
Was sich hier der Zeugnisschreiber erlaubt, überschreitet die Grenze des sprachlich Zulässigen: Was ist gemeint? Sie begreift schnell, arbeitet zuverlässig und macht das Wichtigste zuerst.

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