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DAS NEUE ARBEITSZEUGNIS - Beschreibung des Verfahrens

 

 

Schulnoten

 

Die Beurteilung der Leistung nach dem Zeugniscode ist eine Bewertung nach Schulnoten, von sehr gut bis ungenügend, von „stets zur unserer vollsten Zufriedenheit“ bis „ hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden“. Noten kommen dem Bedürfnis nach Klarheit und Eindeutigkeit sehr entgegen. Da schlechte Noten in Arbeitszeugnissen äußerst selten sind und die Bewertungen in der Regel zwischen befriedigend und sehr gut schwanken, haben die Zeugnisse nur eine geringe Aussagekraft. Hinzu kommt, dass die weniger guten Noten auch ein Angriff sind auf das Selbstwertgefühl des Mitarbeiters und auf Widerspruch stoßen.  

Schulnoten eignen sich nicht, eine Arbeitsleistung differenziert und angemessen zu beurteilen. Es geht nur um die Stärken des Mitarbeiters und wie er sie nutzbringend mit welchen Ergebnissen im Unternehmen eingesetzt hat. In Arbeitszeugnissen werden deshalb auch keine Schwächen beurteilt. 

Viele Arbeitgeber schreiben die Arbeitszeugnisse wie vor hundert Jahren. Sie verwenden die Formulierungen des Zeugniscodes „ ... hat zu unserer vollsten Zufriedenheit gearbeitet“ und vergeben Schulnoten nicht nur für die Arbeitsleistung, sondern auch für das Arbeitsverhalten: 

                   Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen,
                   Mitarbeitern und Kunden war stets vorbildlich.
 

„Vorbildlich“ bedeutet die Note 1, wobei niemand weiß, was das denn so genau bedeutet, sich vorbildlich verhalten. Warum sollte ich für meinen Kollegen ein Vorbild sein? Das sind Formulierungen, die auf ein stark hierarchisch geprägtes Menschenbild hinweisen. Selbstbewusste Mitarbeiter heute sind Individualisten und wollen kein Vorbild sein, sondern sie selbst. 

Die holprige Formulierung „Seine Führung gab uns zu Beanstandungen keinen Anlass“, soll heißen: Note 4.  

Das Verhalten mit Schulnoten zu bewerten ist ein Relikt des vorigen Jahrhunderts.

Worum geht es bei der Beurteilung des Arbeitverhaltens (früher „Sozialverhalten“)? Zum Arbeitsverhalten gehört die Kommunikation und Kooperation mit Kunden, Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern. Das hat selbstverständlich etwas mit unseren Gefühlen zu tun, mit Intuition. Zum Beispiel bei Mitarbeitern im Außendienst: Kann sich der Mitarbeiter schnell auf Kundenwünsche einstellen?

Mit „Arbeitsverhalten“ ist auch gemeint die Umgänglichkeit und Verträglichkeit bei der Arbeit im Team, in der Abteilung, im Umgang mit Kunden, Lieferanten und um das Verhältnis und die Zusammenarbeit mit dem Chef, den Kollegen, auch in anderen Abteilungen und in Projektgruppen.  

In einem Unternehmen kann es nicht nur darauf ankommen, „pflegeleichte“, also angepasste Mitarbeiter und Opportunisten zu beschäftigen. Es ist auch für Unternehmen recht nützlich, Mitarbeiter zu haben, die kritisch sind und die Stirn haben, ihrem Chef zu widersprechen. Das muss nicht zwangsläufig zum Nachteil der Organisation sein, eher das Gegenteil ist der Fall. Es wäre ein Fehler, wenn Chefs nur Ja-Sager um sich haben möchten, denn es werden gute Lösungen gesucht zum Nutzen des Unternehmens. Es wäre deshalb falsch, Mitarbeiter auszugrenzen, die andere Meinungen vertreten als der Chef. Dies gilt übrigens auch für die Arbeit in

Projektgruppen, wo man häufig dazu neigt, schnell einen Konsens herzustellen. Erst Diskussionen und das Ringen um Lösungen führen zu Ergebnissen, die ein Unternehmen voranbringen. Es darf deshalb nicht sein, dass ein solches Verhalten im Arbeitszeugnis negativ bewertet wird.

-Seite 2-      Beurteilung von Stärken und Arbeitsergebnissen

 

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